Genau 105 Jahre deutsche Geschichte sind im Hoftheater Scherzheim versammelt. Im Jahr 2003 feierte das Gebäude, wie jedermann über der Hauseingangstüre zum Wohnhaus lesen kann, 100. Geburtstag. Ganze 26 Jahre davon sind die Geschichte des Hoftheaters, die Ära Bantz dauerte von 1972 bis 2002 - also 30 Jahre.
Erbaut wurde das Haus 1903 von den Bauersleuten Jakob und Salomea Schoch. Der Bauunternehmer und Architekt hieß Kohrmann, dessen Nachfahren noch heute in diesem Gewerbe tätig sind. Ein typische Hoflage wie sie um diese Zeit des bescheidenen Wohlstandes der Gründerjahre in der “guten alten Kaiserzeit“ oft in Scherzheim entstand, dort hinter der Kirche im Bereich des alten Friedhofes und Abtsgartens: Wohnhaus und Stallgebäude in einem Langbau, quer dazu Schopf und zusätzlicher Stallraum, überdachte Einfahrt (“Hofreite“) und hinten der Wirtschaftsgarten für Kraut, Obst, Beeren und Gemüse.
Ein Hof, auf dem das Leben pulsierte. Die Urgroßeltern des heute noch in Linx lebenden Enkels Albert hatten sieben Kinder - wie die Orgelpfeifen: Albert, Friedrich, Karl, August, Karoline, Salomea und Luise. Alle verheirateten sich in Scherzheim, deswegen ist der Name Schoch in vielen Scherzemer Ahnengalerien vertreten.
Eine eher bescheidene Landwirtschaft für so viele hungrige Mäuler - ein Pferd, einige Kühe, Rinder und Schweine im Stall, Hühner und Enten. Das heutige Theaterfoyer war der Stall für das Großvieh und den Gaul, darüber, der heutige Zuschauerraum, war der Heuboden. Dahinter, zum Garten hin, die Dunglege und darunter die Jauchegrube. Der heute anmutig angelegte Garten mit Blumen und Obstbäumen, wurde damals sicherlich ausschließlich für Gemüse, Beeren und Obst genützt. Man war weitgehend Selbstversorger, buk das Brot selber und betrieb Vorratswirtschaft, wozu der Keller mit Naturboden unter dem Wohnhausteil, direkt von der Küche aus zu begehen, sehr nützlich war.
In der Küche stand und steht heute auch noch der mächtige Backofen, wie in vielen alten Bauernhäusern. Darüber im Parterre der geräumige, zur Räucherkammer ausgebaute Backofenkamin. Diese Backöfen wurden sommers übrigens gerne auch als “Kühlschrank“ benützt, weil ihr mächtiges Mauerwerk gut isolierte gegen die hohen Außentemperaturen der heißen Jahreszeit.
Salomea Schoch, dann schon Witwe, übertrug den Hof im Jahr 1921 an ihren ältesten Sohn Albert. Er und seine Frau Elisabeth geb. Häußel, die 1911 geheiratet hatten, mussten sich im Übergabevertrag verpflichten, die Mutter bis zum Ableben im Hause wohnen zu lassen, zu verköstigen und im Krankheitsfalle zu pflegen - das ließ sich die Witwe sogar in einem notariellen Protokoll zum Grundbucheintrag absichern. Bis hin zu der Frage, wer ihr die Medikamente von der Apotheke holen sollte, wenn sie mal krank war, war das alles im Übergabevertrag geregelt. Solche Abmachungen lesen sich heute kurios, sind aber verständlich, denn in den 20er Jahren gab es für Landwirte noch keine obligatorische Altersversorgung und es war die pure Existenzangst, die da bei der Vorsorge für Alter und Krankheit die Feder führte.
Albert und Elisabeth Schoch hatten zwei Söhne. Sohn Albert, geboren 1910 und Sohn Jakob, geboren 1912, aber bereits mit zwölf Jahren verstorben. Bis kurz vor dem Tode im Jahr 1964 betrieben Albert und Elisabeth die Landwirtschaft weiter. Daneben hatte Albert Schoch ein Holzfuhrunternehmen mit Pferden. Er lieferte an die Sägereien in der Umgebung Holzstämme - natürlich auch an die Sägerei und Stielfabrik Karl Wacker am nördlichen Ortseingang von Scherzheim. Sohn Wilhelm Wacker erinnert sich lebhaft an die Pferde der Schochs, wenn Baumstämme geliefert wurden. Der Rest der Schoch-Geschichte ist schnell erzählt. Der ältere Sohn Albert kehrte 1944 aus dem Krieg nicht zurück, sein Sohn, 1945 geboren und der Familientradition zufolge auch Albert genannt, hat den Vater nie gesehen. So kam es, dass er als Hoferbe gar nicht in Scherzheim, sondern bei der Mutter Elise, geborene Manßhardt, in Linx aufwuchs. Von Albert und Elise Schoch sind auch die Fotos von der Familie auf dieser Seite. Sie sind immer wieder gerne Gast im Hoftheater - schon die Tradition gebietet das.
Albert Juniors Großvater starb im Jahr 1965, dessen Frau Elisabeth 1971. Der Enkel Albert und seine Mutter Elise verkauften das Haus 1972 an Rita und Elmer Bantz bürgerlich Gustav Specht, Chefsprecher beim alten SWF.
Hauptsächlich erst nach Bantzens Pensionierung im Jahr 1974 wurde das inzwischen baufällig gewordene Gehöft gründlich renoviert und dem Wohnstandard der Zeit entsprechend umgebaut. Rita Bantz verteidigte mit Zähnen und Klauen den rustikalen Baustil einer Hoflage mit Nebengebäuden. Nachbar Hans Wahl erinnert sich an einen gewaltigen Ehekrach zwischen Elmer und Rita, als er ihre Abwesenheit dazu ausnützen wollte, den Querbau abzureißen. Rita konnte das sozusagen in letzter Sekunde verhindern. Heute sind wir froh über den überdachten Hofraum. Nach und nach wurden auch Theaterraum und Foyer eingerichtet, mit alten Kirchenbänken möbliert und 1981 begann der Spielbetrieb. Elmer Bantz hat es verstanden, viele Honoratioren für sein Theaterprojekt einzuspannen, so dass es an Unterstützung von Rat, Verwaltung und sogar Geistlichkeit nicht mangelte!
Der gute Geist des Anwesens, von so vielen tüchtigen Vorfahren begründet, webt weiter in den jetzt 105 Jahre alten Mauern. Und die Zwetschgen und Brombeeren im Hoftheatergarten sind nicht durch Zufall so rund und dick: Möglicherweise reichen ihre Wurzeln bis hinunter zu den Gebeinen der Ur-Scherzheimer aus den letzten Jahrhunderten, die da auf dem schon lange aufgelassenen Friedhof hinter der Kirche ruhen und längstens vermodert sind. Wenn es so ist, dann ist auch das eine sehr solide Tradition und eine neue Variante des Themas “Scherzheimer Glücks-Kreislauf“…
Erbaut wurde das Haus 1903 von den Bauersleuten Jakob und Salomea Schoch. Der Bauunternehmer und Architekt hieß Kohrmann, dessen Nachfahren noch heute in diesem Gewerbe tätig sind. Ein typische Hoflage wie sie um diese Zeit des bescheidenen Wohlstandes der Gründerjahre in der “guten alten Kaiserzeit“ oft in Scherzheim entstand, dort hinter der Kirche im Bereich des alten Friedhofes und Abtsgartens: Wohnhaus und Stallgebäude in einem Langbau, quer dazu Schopf und zusätzlicher Stallraum, überdachte Einfahrt (“Hofreite“) und hinten der Wirtschaftsgarten für Kraut, Obst, Beeren und Gemüse.
Ein Hof, auf dem das Leben pulsierte. Die Urgroßeltern des heute noch in Linx lebenden Enkels Albert hatten sieben Kinder - wie die Orgelpfeifen: Albert, Friedrich, Karl, August, Karoline, Salomea und Luise. Alle verheirateten sich in Scherzheim, deswegen ist der Name Schoch in vielen Scherzemer Ahnengalerien vertreten.Eine eher bescheidene Landwirtschaft für so viele hungrige Mäuler - ein Pferd, einige Kühe, Rinder und Schweine im Stall, Hühner und Enten. Das heutige Theaterfoyer war der Stall für das Großvieh und den Gaul, darüber, der heutige Zuschauerraum, war der Heuboden. Dahinter, zum Garten hin, die Dunglege und darunter die Jauchegrube. Der heute anmutig angelegte Garten mit Blumen und Obstbäumen, wurde damals sicherlich ausschließlich für Gemüse, Beeren und Obst genützt. Man war weitgehend Selbstversorger, buk das Brot selber und betrieb Vorratswirtschaft, wozu der Keller mit Naturboden unter dem Wohnhausteil, direkt von der Küche aus zu begehen, sehr nützlich war.
In der Küche stand und steht heute auch noch der mächtige Backofen, wie in vielen alten Bauernhäusern. Darüber im Parterre der geräumige, zur Räucherkammer ausgebaute Backofenkamin. Diese Backöfen wurden sommers übrigens gerne auch als “Kühlschrank“ benützt, weil ihr mächtiges Mauerwerk gut isolierte gegen die hohen Außentemperaturen der heißen Jahreszeit.Salomea Schoch, dann schon Witwe, übertrug den Hof im Jahr 1921 an ihren ältesten Sohn Albert. Er und seine Frau Elisabeth geb. Häußel, die 1911 geheiratet hatten, mussten sich im Übergabevertrag verpflichten, die Mutter bis zum Ableben im Hause wohnen zu lassen, zu verköstigen und im Krankheitsfalle zu pflegen - das ließ sich die Witwe sogar in einem notariellen Protokoll zum Grundbucheintrag absichern. Bis hin zu der Frage, wer ihr die Medikamente von der Apotheke holen sollte, wenn sie mal krank war, war das alles im Übergabevertrag geregelt. Solche Abmachungen lesen sich heute kurios, sind aber verständlich, denn in den 20er Jahren gab es für Landwirte noch keine obligatorische Altersversorgung und es war die pure Existenzangst, die da bei der Vorsorge für Alter und Krankheit die Feder führte.
Albert und Elisabeth Schoch hatten zwei Söhne. Sohn Albert, geboren 1910 und Sohn Jakob, geboren 1912, aber bereits mit zwölf Jahren verstorben. Bis kurz vor dem Tode im Jahr 1964 betrieben Albert und Elisabeth die Landwirtschaft weiter. Daneben hatte Albert Schoch ein Holzfuhrunternehmen mit Pferden. Er lieferte an die Sägereien in der Umgebung Holzstämme - natürlich auch an die Sägerei und Stielfabrik Karl Wacker am nördlichen Ortseingang von Scherzheim. Sohn Wilhelm Wacker erinnert sich lebhaft an die Pferde der Schochs, wenn Baumstämme geliefert wurden. Der Rest der Schoch-Geschichte ist schnell erzählt. Der ältere Sohn Albert kehrte 1944 aus dem Krieg nicht zurück, sein Sohn, 1945 geboren und der Familientradition zufolge auch Albert genannt, hat den Vater nie gesehen. So kam es, dass er als Hoferbe gar nicht in Scherzheim, sondern bei der Mutter Elise, geborene Manßhardt, in Linx aufwuchs. Von Albert und Elise Schoch sind auch die Fotos von der Familie auf dieser Seite. Sie sind immer wieder gerne Gast im Hoftheater - schon die Tradition gebietet das.
Albert Juniors Großvater starb im Jahr 1965, dessen Frau Elisabeth 1971. Der Enkel Albert und seine Mutter Elise verkauften das Haus 1972 an Rita und Elmer Bantz bürgerlich Gustav Specht, Chefsprecher beim alten SWF.Hauptsächlich erst nach Bantzens Pensionierung im Jahr 1974 wurde das inzwischen baufällig gewordene Gehöft gründlich renoviert und dem Wohnstandard der Zeit entsprechend umgebaut. Rita Bantz verteidigte mit Zähnen und Klauen den rustikalen Baustil einer Hoflage mit Nebengebäuden. Nachbar Hans Wahl erinnert sich an einen gewaltigen Ehekrach zwischen Elmer und Rita, als er ihre Abwesenheit dazu ausnützen wollte, den Querbau abzureißen. Rita konnte das sozusagen in letzter Sekunde verhindern. Heute sind wir froh über den überdachten Hofraum. Nach und nach wurden auch Theaterraum und Foyer eingerichtet, mit alten Kirchenbänken möbliert und 1981 begann der Spielbetrieb. Elmer Bantz hat es verstanden, viele Honoratioren für sein Theaterprojekt einzuspannen, so dass es an Unterstützung von Rat, Verwaltung und sogar Geistlichkeit nicht mangelte!
Der gute Geist des Anwesens, von so vielen tüchtigen Vorfahren begründet, webt weiter in den jetzt 105 Jahre alten Mauern. Und die Zwetschgen und Brombeeren im Hoftheatergarten sind nicht durch Zufall so rund und dick: Möglicherweise reichen ihre Wurzeln bis hinunter zu den Gebeinen der Ur-Scherzheimer aus den letzten Jahrhunderten, die da auf dem schon lange aufgelassenen Friedhof hinter der Kirche ruhen und längstens vermodert sind. Wenn es so ist, dann ist auch das eine sehr solide Tradition und eine neue Variante des Themas “Scherzheimer Glücks-Kreislauf“…
